Dornbracht Installation Projects: „Rudolf Stingel. LIVE“ in der Neuen Nationalgalerie

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Die bislang größte Präsentation des Künstlers in Deutschland zeigt bis zum 24. Mai 2010 eine beindruckende Raum-Installation und neue großformatige Gemälde.

Rudolf Stingel, der 1956 in Südtirol geboren wurde und heute überwiegend in New York lebt, ist in den 90er-Jahren mit raumgreifenden Arbeiten und einer materialbezogenen, konzeptuell ansgelegten Malerei international bekannt geworden. Erst kürzlich widmeten das Whitney Museum in New York und das Museum of Contemporary Art in Chicago dem Künstler vielbeachtete Retrospektive. Auf Einladung der Neuen Nationalgalerie hat Rudolf Stingel nun eine Installation für das Berliner Ausstellungshaus entworfen, die aus der Architektur von Mies van der Rohe heraus entwickelt ist und die den Charakter des Gebäudes transformiert. Die Bodenfläche der großen Glashalle ist mit einem Teppich ausgelegt, dessen Ornament auf einen originalen indischen Agra-Teppich des 19. Jahrhunderts zurückgeht und dessen Farben der Künstler in Schwarz-Weiß- und Grautöne übersetzt hat. Starke, grafische Muster und sinnliche Opulenz treffen so auf die Kargheit und formale Reduktion der Architektur. Mit dem indisch-persischen Dekor wird zugleich die viel beschriebene Sakralität des Mies-Baus umgedeutet: der „moderne Tempel“ verliert seine abstrakte Strenge, rückt in die Nähe eines orientalisch geprägten Kultraumes. Als weiteres Element der Installation hängt ein kristallener Kronleuchter zentral im Raum, der an pompöse Auftritte erinnert und dabei die unausweichlich europäische Perspektive verdeutlicht. Auch Perser- und Orientteppiche haben einen festen Platz in der europäischen Kulturgeschichte und finden sich bis heute, neben allerlei anderen „Orientalia“, im bürgerlichen Wohnzimmer.

Mit „Rudolf Stingel. LIVE“ setzt die Nationalgalerie ihre Reihe ortsspezifischer Installationen im Gebäude Mies van der Rohes fort und knüpft hier insbesondere an die Ausstellung Thomas Demands an. Während Thomas Demand unter dem Titel „Nationalgalerie“ seinen Blick auf Deutschland richtete, thematisiert Rudolf Stingel mit seiner Berliner Installation, wie er selbst sagt „eine wohldosierte Sehnsucht nach dem Anderen“.Die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Malerei wird in vier neuen großformatigen Gemälden Stingels deutlich, die im Untergeschoß der Neuen Nationalgalerie zu sehen sind.

Die aktuelle Ausstellung ist das erste Dornbracht Installation Project in Berlin und damit Auftakt der Zusammenarbeit zwischen der Nationalgalerie und Dornbracht, dem international tätigen Hersteller hochwertiger Designarmaturen und Accessoires aus Iserlohn. Auf diese Weise wird die langjährige Kooperation fortgesetzt, die 1999 zwischen Dornbracht und dem Kölnischen Kunstverein begann und am MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt fortgeführt wurde. Ziel der Förderung ist es, Neuproduktionen ausgewählter Künstler zu initiieren und zu finanzieren. Die auf dieser Basis entwickelten Kunstwerke sind einmalig sichtbar und untrennbar mit dem Ort verbunden, für den sie entstanden.

Ein Katalog mit einer Dokumentation der Ausstellung ist in Vorbereitung.
Rudolf Stingel. LIVE
Neue Nationalgalerie, Berlin
Ausstellung
www.neue-nationalgalerie.de

Rahmenprogramm: „Flying Bach“. Die Hip-Hop-Weltmeister Flying Steps interpretieren „Das wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach“ (Künstlerische Leitung: Christoph Hagel). Neue Nationalgalerie, obere Halle. Termine: Mi. 14.4.; Do. 15.4.; Fr. 16.4.; Sa. 17.4.; So. 18.4.; Mi. 21.4.; Do. 22.4.; Fr. 23.4.; Sa. 24.4.; So 25.4.; Di. 27.4.; Mi. 28.4. Weitere Informationen an der Kasse.

Fotos: RS_Installationsansicht – Foto: David von Becker / Copyright: Verein der Freunde der Nationalgalerie; Stingel - Copyright: Rudolf Stingel

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