DMY International Design Festival Berlin
DMY ist aus dem 2003 gegründeten Designmai hervorgegangen und stand ursprünglich für die Präsentation der Nachwuchstalente: Designmai Youngsters. Heute steht es für Daily/Monthly/Yearly, womit darauf hingewiesen wird, dass wir tagtäglich von Design – ob gut oder schlecht – umgeben und beeinflusst sind. Ganz bewusst mit Design auseinandersetzen kann man sich auf dem DMY International Design Festival Berlin, das vom 1. bis 5. Juni in den Hangars des Flughafens Berlin Tempelhof stattfindet. Mittlerweile hat sich das Festival als internationale Plattform für zeitgenössisches Produktdesign etabliert und der Stadt Berlin zu dem UNESCO-Titel „City of Design“ verholfen. Mit 6.000 qm Ausstellungsfläche, die ausschließlich jungen und besonderen Talenten vorbehalten ist, ist sie außerdem ein hervorragendes Sprungbrett für den ambitionierten Designnachwuchs. Abgebildet wird das gesamte Spektrum des Produktdesigns: Interior Accessoires, Möbel, Leuchten, Industriedesign und multidisziplinäre Ansätze. Dabei steht aber nicht allein das Endprodukt im Mittelpunkt. Gezeigt werden alle Stadien des Entwicklungsprozesses, vom Konzept über den Prototyp bis hin zum seriellen Produkt. Allerdings will sich das Festival nicht allein auf das Zeigen guter Produkte beschränken. Diverse Plattformen stellen die theoretische Auseinandersetzung mit Design, den Hintergründen und Vorraussetzungen in den Mittelpunkt. Das Design Symposium etwa wird sich mit kuratierten Ausstellungen und Präsentationen, Vorträgen und Diskussionen hauptsächlich mit dem Thema „Kopie vs. Inspiration“ beschäftigen. Außerdem angeboten werden Open Talks und Public Workshops. Ein besonderes Format ist das MakerLab, das letztes Jahr als Teil des Festivals eingeführt wurde. Es ist als offenes Areal für Experimente mit neuen Technologien und Materialien gedacht, in dem mit einfachen Mitteln und Anwendungen, aber auch mit Lasercuttern und 3D-Druckern an eigenen Entwürfen gearbeitet werden kann oder Open Source-Anleitungen umgesetzt werden können.
Viele Berliner Designer und Akteure nehmen das DMY International Design Festival zum Anlass, als Satelliten ihre Studios, Galerien und Institutionen zu öffnen. Mit über 50 dezentralen Ausstellungen und individuellen Veranstaltungen breitet sich das Thema Design im gesamten Stadtgebiet aus.
Die Möbel- und Raumdesigner von Kinzo etwa öffnen von Mittwoch bis Freitag ihr Büro und Atelier in der Karl-Liebknecht-Straße und stellen unter anderem ihre neue Büromöbelserie WORK OUT vor. Das neue Büromöbelsystem formiert sich als Mannschaft aus individuellen Elementen. WORK OUT folgt dem Ansatz, statische Arbeitsstrukturen in tristen Bürowelten aufzubrechen. Sein dynamisch Erscheinungsbild konnte bereits einen großen Sportartikelhersteller für sich gewinnen. Das System ist nicht nur visuell ansprechend gestaltet, sondern überzeugt vor allem durch zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten und hohe Flexibilität, basierend auf einem modularen Garagenkonzept. Neben weiteren Produkten werden Prototypen der WORK OUT-Serie im Studio von Kinzo gezeigt.
Einen hohen Trainingswert bieten auch die Design Gymnastics, die Masayo Ave am 2. Und 3. Juni im Berliner Tiergarten anbietet. Die Designerin und Architektin aus Japan erforscht in ihrem Haptic Interface Design Institute die Rolle, die haptische Qualitäten für gutes Design spielen. Ein ähnliches Ziel verfolgt sie auch in den Design Gymnastics, an denen nicht nur Designstudenten und Designer teilnehmen können – alle Interessierten sind eingeladen, an einem der beiden eintägigen Workshops den Tiergarten zu durchstreifen und hier an den in der Natur wiederkehrenden Strukturen und Zusammenhängen ihre sensorischen Fähigkeiten zu trainieren. Masayo Ave will den Teilnehmern ihrer Design Gymnastics eine lebhafte Herangehensweise an Design eröffnen, die Entdeckerfreude, Vorstellungskraft, Analysefähigkeit und Kommunikationskonzepte verbindet.
www.macreation.org
Anmeldung per E-Mail an info@macreation.org
Ebenfalls am 2. Juni wird im Planet Modulor am Moritzplatz das umfangreiche Buch „Open Design Now: Why Design Cannot Remain Exclusive“, entstanden in Zusammenarbeit von Premsella – Netherlands Institute for Design and Fashion, Creative Commons Netherlands und Waag Society, international vorgestellt. Das Thema Open Design stellt gewohnte Strukturen auf den Kopf, können doch dank günstiger Computeranwendungen und sozialer Plattformen plötzlich viel mehr Menschen ihre Ideen veröffentlichen, umsetzen und vertreiben. Das Buch widmet sich in Essays, Fallbeispielen, einem visuellen Index und vielen „Anzeigen“ ausführlich der neuen Lage und stellt die immer aktuelle Frage nach der Rolle des Designs für die Gesellschaft. Moderiert wird die Veranstaltung von Marcus Fairs von Dezeen.com.
Die Weißensee Kunsthochschule Berlin gibt in „auf draht“ Einblicke in die Ideenfindung und Entwicklung eines Produktes. In einem einwöchigen Kurzprojekt waren Studenten des dritten Semesters Produktdesign vor die Aufgabe gestellt, einfache Sitzmöbel für kleine Wohnungen zu entwerfen. Die Ergebnisse – Hocker zum Klappen, Addieren, Auseinandernehmen und zum dynamischen Sitzen – werden im Corbusierhaus in der Flatowallee präsentiert.
Auch die Universität der Künste bildet einen der DMY Satelliten. In der Galerie und Transferstelle der Fakultät Gestalten, designtransfer, wird es um das aktuelle Thema „Mythos Original – über Kopien, Duplikate und Regproduktionen“ gehen. Eine Ausstellung zeigt u.a. von Studenten nachgebaute Designklassiker, chinesische Reproduktionen und Open Design Produkte. Im Designsalon am Donnerstag, den 2. Juni, wird mit dem Desingtheoretiker Michael Erlhoff debattiert und ein Versuch der Einordnung unternommen: Wann ist etwas Referenz oder Hommage und wann Plagiat?
www.designtransfer.udk-berlin.de
Weder das Museum der Dinge noch das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung bieten im Rahmen des Festivals Sonderveranstaltungen an. Sehenswert sind ihre Ausstellungen natürlich trotzdem. Das Museum der Dinge zeigt in seinem Offenen Depot Errungenschaften der Moderne neben Banalitäten des Alltags, Markenwaren neben no-name-Produkten. Eine spannende Gegenüberstellung. Das Bauhaus-Archiv widmet seine aktuelle Ausstellung Erik Spiekermann, seinen Schriften und deren Entstehungsprozess und seinen überaus erfolgreichen Corporate Design Projekten. Als Anerkennung seiner Bedeutung für die Entwicklung des Grafik Designs in Deutschland wurde Erik Spiekermann dieses Jahr mit dem Deutschen Designpreis in der Kategorie Persönlichkeit ausgezeichnet worden.
www.edenspiekermann.com
www.bauhaus.de
DMY International Design Festival
vom 1. bis 5. Juni 2011
Flughafen Tempelhof, Berlin
Abbildungen:
DMY 2010, Eröffnung, Milos Djuric
DMY 2010, Maker Lab, Milos Djuric
DMY 2010, Maker Lab, Milos Djuric
DMY 2010, For use/numen, Milos Djuric
Yi-Cong Lu, Panel
Yi-Cong Lu, Panel
Simo Serpola, Salmiak
Simo Serpola, Salmiak








