Current Issue
Die aktuelle Ausgabe
Current Issue
Editorial
Im Kontext gerade internationaler wirtschaftlicher wie kreativer Konkurrenz ist wieder mehr von Größe die Rede. Den Begriff kennzeichnen indes verschiedene Widersprüchlichkeiten und er verknüpft so vielfältige Themen wie jene des Erfolgs und der Macht, des Populären vs. des Herausragenden, des Kurzsichtigen oder bald Überholten mit jenem dauerhafter Werte. Vor diesem Hintergrund verweist Größe nicht nur auf die auch künftig zu diskutierenden Kriterien für Architektur oder das unvermeidliche, immer wieder neue Bedürfnis nach dem höchsten Gebäude der Welt, sondern insbesondere auch auf den Umgang mit der wachsenden Komplexität der Welt. Letztere legt vor allem nahe, die Grenzen abgesteckter Felder aufzuweiten, um die Erkenntnis über eine Disziplin und das mit ihr Mögliche zu vergrößern.Georg Seeßlen folgt im einleitenden Beitrag dieser Ausgabe den unterschiedlichen Definitionen und Konsequenzen, die dem Phänomen der Größe geisteswissenschaftlich, kulturhistorisch und alltagstauglich zugerechnet werden. Mit Daniel Libeskind sprechen wir jenseits der physischen Maßstäblichkeit und Präsenz insbesondere über die kulturelle Aufladung von Architektur, die Konstruktion von Relevanz und ein Selbstverständnis innerhalb des humanistischen Kontextes. Brian Lee von SOM, dem Vorbild vielleicht aller heutigen Großbüros, berichtet über Kontinuität und Wandel in Haltung wie Struktur des Unternehmens über mehr als ein halbes Jahrhundert sowie über ein Bauen innerhalb globalisierter Märkte. Während Tom Wiscombe das Architektonische über die Integration anderer, vor allem wissenschaftlicher Disziplinen weitet. Das Verständnis von Architektur als Form des Wissens bindet dabei den Begriff der Emergenz ein und macht das Diskursive wie das Kursorische zum grundlegenden Zug künftiger architektonischer Systeme.
Die Brücke zwischen Disziplinen schlägt auch das Gespräch mit Ai Weiwei, der nicht zuletzt wegen seiner politisch-kritischen Tätigkeit zu einem der bekanntesten Künstler Chinas auch im architektonischen Kontext aufgestiegen ist. Das Arbeiten in Relation zu einer so genannten Supermacht und deren politischer Kultur verbindet ihn, allerdings in gänzlich anderer Konkretion, zugleich mit Nadav Kander, der als Fotograf vor allem mit seiner Serie „Obama’s People“ bekannt geworden ist. Regisseur Joseph Kosinski, eines der am meisten zu beachtenden Talente in Hollywood, berichtet über die Verknüpfung von Narration, Raum, künstlerischen Zielen und neuen Technologien beim kommenden Blockbuster „Tron: Legacy“, während die Fotografien von David Bailey als Ikonen und Erinnerungsstücke in jene Sixties zurückführen, die den Aufstieg von Popkultur und ihrer Protagonisten zu rebellischen Stars vorgeprägt haben. Über Lars Engman, ehemaliger Chefdesigner von Ikea, kehrt die Größe schließlich zur Massenkultur im viel grundsätzlicheren Sinne zurück, der dem Überragenden als Alleinstellung die Ausdehnung im Sinne von größter Akzeptanz und Konsumierbarkeit entgegenstellt und damit die Widersprüchlichkeit des Big im Kontext einer Globalwirtsch
Ralf Ferdinand Broekman

