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Die aktuelle Ausgabe
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Editorial
Die Logik der Distinktion durchzieht unsere Welt. Es gehört zu den Kennzeichen der modernen Gesellschaft, dass Zuordnungen, die das eigene Selbstverständnis – kulturell, sozial, politisch oder anderweitig – bestimmen, sowohl mannigfaltig sind als sich auch überlagern. Die gesellschaftlichen Gruppen, denen sich der Einzelne zurechnet, sind kleiner, vielfältiger, temporärer und durchlässiger geworden. Der Begriff der Distinktion ist nicht erst mit diesen Entwicklungen aufgetaucht, gewinnt darin aber an Bedeutung, weil er abgeleitet von seinen wissenschaftlichen, etwa soziologischen oder erkenntnistheoretischen Verwendungen auch im Alltagsgebrauch auf die Identitätsbestimmung in Relation zum jeweils anderen, also nicht im Sinne einer unverrückbaren Stabilität verweist. Somit ist davon nicht nur die stetige Rede von der zunehmenden Individualisierung berührt, sondern bezogen auf die kreativen Disziplinen im konkreteren Sinne die Frage nach künstlerischen Haltungen, Einflüssen und Bewegungen.Elena Esposito untersucht im einleitenden Beitrag dieser Ausgabe die Entwicklung des Begriffs Distinktion und die verbindenden Aspekte seiner unterschiedlichen Ausprägungen, in denen er heute – nicht zuletzt in Relation zum wachsenden Bedürfnis nach mobileren und flexibleren Identitäten – in verschiedenen Diskursen aktuell ist. Mit Bjarke Ingels sprechen wir über evolutionäre Prozesse und über Vor- und Nachteile stilistischer Erkennbarkeit, während sich David Chipperfield zum Verhältnis von sprachlicher Eingrenzung eines Entwurfs und dahinter liegenden Komplexitäten sowie zu seiner Vorstellung einer „besonderen Normalität“ in der Architektur äußert. Seiner zurückhaltenden Entwurfssprache steht das zuweilen provokante Interior Design Marcel Wanders’ entgegen, dessen stilpluralistische Prägung auch von den Leistungen radikaler Bewegungen im 20. Jahrhundert profitiert. Alessandro Mendini legt stellvertretend für diese seine weiterhin aktuelle Haltung dar und plädiert für eine noch nicht erkennbare, aber notwendige neue Avantgarde, während der Blick auf künftige Generationen im Gespräch mit Mohsen Mostafavi, Dekan der Harvard Graduate School of Design, gerade auch über die politischen und wissenschaftlichen Bedingungen der Hochschule selbst erfolgt.
Im Kontrast hierzu steht der künstlerische Werdegang KK Barretts, der von der Malerei über Punkmusik zum Production Design insbesondere für die Filme von Spike Jonze und Sofia Coppola führte. Das Gegenüber von Verschmelzen und Eingrenzen verschiedener Disziplinen bildet eine besondere biografische Ausprägung, zugleich steht es für einen generellen Zug, der auf Überlagerungen und Konstruktionen von Identitäten in einer von Kontingenz bestimmten Welt verweist: auf Entwicklungen, wie sie auf unterschiedliche Weise in Inhalt und Ästhetik etwa der überwiegend digitalen Arbeiten von Paul White ebenso ihren Ausdruck finden wie in den nicht auf einzelne Genres festgelegten Designs von Ross Lovegrove.
Ralf Ferdinand Broekman


